Um den zunehmenden Güterverkehr auf den Straßen Europas zukünftig weiter bewältigen zu können, wird geplant Transporte zunehmend auch durch überlange Lastkraftwagen sogenannte Gigaliner oder EuroCombi zuzulassen. Verschiedene EU-Länder erproben in großräumigen Feldversuchen die Wirksamkeit dieses Konzepts. Von Transportspezialisten und Politikern wird dieser Ansatz kontrovers diskutiert.
Was spricht für den Gigaliner?
Diese überlange Lkw-Kombination darf bis zu 25,25 Meter lang sein und maximal 60 Tonnen Gesamtgewicht aufweisen. Gegenüber herkömmlichen Lastkraftwagen können Gigaliner bis zu 50 Prozent mehr Ladung befördern. Für das Verkehrsaufkommen ist das eine Entlastung, da drei Gigaliner die gleiche Menge transportieren können wie zwei normale Lastkraftwagen. Das führt zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch und einer weniger starken Umweltbelastung durch Emissionen. Je nach Feldversuch um 10 bis 20 Prozent. In Verkehrsstudien wird in Deutschland ein Anstieg des Güterverkehrs bis zum Jahr 2015 um bis zu 64 Prozent prognostiziert. Mehr Lastkraftwagen bei gleichbleibender Straßenlänge würden in einigen Jahren folglich zu einer Überlastung des Straßensystems führen. Darüber hinaus erfordern die Ausmaße des Gigaliners zu einem erhöhten Anspruch an Fahrer und Fahrweise. Deswegen wird von den Lastkraftfahrern ein hohes Maß an Erfahrung verlangt. Vieles spricht dafür, dass nur unfallfreie Fahrer mit langjähriger Erfahrung für diese speziellen Fahrzeuge zugelassen werden, ähnlich wie in den Feldversuchen.
Was spricht gegen den Gigaliner?
Die Gegner des Gigaliners bemängeln, dass für durch dessen besondere Ausmaßen andere Belastungsanforderungen an den Straßenbelag gestellt werden müssen. Herkömmlicher Belag sei auf Dauer nicht dem Gewicht der Gigaliner gewachsen, weswegen die Überstrapazierung verstärkt zur Bildung von Fahrrillen und anderen Straßenschäden führen könnte. Im besonderen Maße gelte das auch für Brücken, die schneller an Materialermüdung zu leiden hätten. Auf kleinen Straßen und in den Städten würde die Manövrierfähigkeit des Gigaliners auf seine Grenzen stoßen. Auf den Park- und Rastplätzen stehen ferner häufig gar keine Stellplätze mit größeren Längen zur Verfügung, weswegen ein Gigaliner oft mehrere Parkbuchten einnehmen würde. Angesichts von schon jetzt fehlenden Parkmöglichkeiten für Lastkraftwagen wäre das unzumutbar. Sicherheitsmaßnahmen in Tunneln sind noch nicht auf die Größe des Gigaliners ausgerichtet, weswegen es hier ebenfalls zu Unfällen mit schwerwiegenden Folgen kommen könnte. Genauso müssten Straßenbegrenzungen wie Leitplanken noch stabiler geplant werden, um gegen die Masse des Gigaliners anzukommen.
Abschließende Betrachtung
Wenn man das Pro und Kontra abwägt, sprechen die Einsparmöglichkeiten, die sich beim Kraftstoff und beim Verkehrsaufkommen ergeben, eher für den Gigaliner. Doch damit diese Vorteile greifen, muss die Transportkapazität des Gigaliners in hohem Maße ausgelastet sein. Einer weiteren Verlagerung der Transporte von der Schiene zum Straßenverkehr wird mit diesem neuen Lastkraftwagen Vorschub geleistet werden, was wieder gegen die Umweltfreundlichkeit des Projekts spricht. Die Frage ist, ob man derart viele notwendige Veränderungen an der Straßeninfrastruktur vornehmen möchte, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer weiter zu gewährleisten. Letztendlich müssen Kosten und Nutzen in einem günstigen Verhältnis stehen.